Einleitung:
Als Teil des
Norddeutschen Flachlandes ist Ostfrieslands Geologie stark von den quartären
Klimaschwankungen geprägt. Das Gebiet wurde bis heute von zwei Hauptvorstößen
(Elster und Drenthe) des Inlandeises erfasst. Im Wechsel mit periglazialen und
interglazialen Prozessen entstanden komplexe geologische Systeme mit zahlreichen
Faziesverzahnungen und überlagernden Erosions- sowie Sedimentationsstrukturen.
Die quartären Lockersedimente sind in Ostfriesland im wesentlichen durch
Bohrungen erschlossen, denen verschiedenste Fragestellungen der angewandten
Geologie zugrunde liegen.
Die Heterogenität und Quantität der so entstandenen geologischen Informationen
ließ es unter Anwendung manueller 2D-Profilschnittkontruktionen bisher nicht zu,
die räumliche und stratigraphische Einordnung der Schichten hinreichend zu
klären.
Im Rahmen der Arbeit wurden für das Arbeitsgebiet (siehe
Tab.1) alle verfügbaren Untergrundinformationen
georeferenziert erfasst und mit einer 3DKartierungssoftware (Geological
Surveying and Investigation in 3D, “GSI3D”) gesichtet und einheitlich
genetisch-lithostratigraphisch interpretiert. Auf dieser Grundlage konnten
erstmalig hochauflösende geologische dreidimensionale Strukurmodelle anhand
vernetzter Profilschnitte erstellt werden.
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Arbeitsgebiet:
Auf dieser
Grundlage wurden für das Gebiet zwischen den Städten Norden und Aurich
folgende Schicht-untergrenzen dreidimensional auskartiert:
-
Holozänbasis
-
Weichselzeitliche bis holozäne Flugsande
Weichselfluviatil
-
Sedimente
des Eem
-
Geschiebelehm des Drenthe-Hauptvorstoßes (Saale)
-
Drenthezeitliches Glazifluviatil (Saale)
-
Beckentone
der Lauenburger Fazies (Elster)
-
Schluffe und
Feinsande der Lauenburger Fazies (Elster)
-
Sande und
Kiese der Zeitspanne Altpleistozän bis Elster-Glazial
-
Quartärbasis
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Modellierungsablauf mit der 3D-Kartierungssoftware GSI3D
-
Sichtung
georeferenzierter geologischer Informationen:
- Geologische Karten
- Bohrungen
- Geoelektrik-Messungen
- Digitale Geländemodelle
-
Interpretation und Einordnung von Schichtenbeschreibungen der
Bohrungen und Geolelektrik-Messungen nach lithostratigraphischen
Gesichtspunkten
(Fig.
1
&
Fig. 2)

Fig. 1: Profilschnittansicht im GSI3D mit
konstruierten Schichten.
-
Iterative
Korrelation der Schichtuntergrenzen ausgewiesener geologischer
Einheiten in der Profilansicht unter Prüfung auf ihre genetische
Plausibilität in der 3D-Ansicht sowie Abgleichen der kreuzenden
Profilschnitte
-
Konstruktion
der lateralen Verbreitungsgrenzen einzelner geologischer Einheiten

Fig. 2: GSI3D-Benutzeroberfläche. Die
Erfassung und Interpretation der geologischen Informationen erfolgt simultan in
2D- und 3D-Ansichten.

Fig. 3:
3D-Blockbild
der konstruierten Profilschnitte
im Bereich
zwischen Norden und Aurich
Ergebnisse:
Im Zuge der
ganzheitlichen Betrachtung und Interpretation der Eingangsdaten konnte
eine blattschnittfreie, beliebig abdeckbare dreidimensionale
geologische Karte generiert werden, die im Einklang mit den
ermittelten Untergrundstrukturen steht (Fig.
4).

Fig. 4:
Oberflächenansicht des erstellten Untergrundmodells
als
dreidimensionales Blockbild
Für den im
Rahmen der Modellierung schwerpunktmäßig betrachteten
spät-elsterzeitlichen Lauenburger Ton wurde eine Sedimentation in
langgestreckten Hohlformen festgestellt (Fig.
5).
Die rinnenartigen Strukturen keilen lateral über z.T. kurze Distanzen
aus und zeichnen sich durch gewellte Längsprofile aus, wodurch eine
fluviatile Genese auszuschließen ist. Dementsprechend konnten beträchtliche
Mächtigkeitsschwankungen der reinen Beckentone beobachtet werden. Sie
erreichen Werte von bis zu 95 m. Schluffe und Feinsande repräsentieren
innerhalb der Lauenburger Abfolge Abschnitte der frühen und proximalen
Beckenfüllung.

Fig. 5: Blockbild des Untergrundmodells nach
Abdeckung der drenthezeitlichen Schichtglieder. Jüngste sichtbare
Modelleinheit: Lauenburger Ton (hellblau) mit bevorzugt erodierter
Randfazies (violett)
Mit dem sich
ankündigenden Drenthe-Hauptvorstoß wirkten erosive Prozesse in erster
Linie auf die Lauenburger Randfazies ein, so dass die distalen
Beckentone als Hochlagen erhalten blieben Während der Geschiebelehm
des Drenthe-Hauptvorstoßes im zentralen Bereich des
Oldenburg-Ostfriesischen Geestrückens lediglich sporadisch ansteht,
nimmt er in SW-Richtung rasch an Mächtigkeit zu (z.T.
über 10 m) und taucht dort unter jüngere Sedimente (Weichsel bis
Holozän) ab. Warmzeitliche, fossilienführende Schluffe und Feinsande
konnten schwerpunktmäßig im Raum Hage ausgewiesen werden.
Sie
erreichen maximale Mächtigkeiten von bis zu 30 m und repräsentieren
eine eemzeitliche Meeresbucht, die südgerichtet bis an den rezenten
Geestrand heranreichte.
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Michael Howahr, Dipl. Geol.
INSIGHT Geologische Softwaresysteme GmbH
Hochstadenstr. 1-3
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E-mail:
mhowahr@lithosphere.de